Facil * * in Berlin (DE)

Zweiter Tag in Berlin und zweites Restaurant, diesmal geht es am Mittag ins ebenfalls zweifach besternte Facil. Das Restaurant befindet sich im Mandala Hotel am Potsdamer Platz im 5. Stock. Hier wurde eine Art Innenhof gestaltet mit Glaskubus als Restaurant und einem asiatisch inspiriertem Garten. Vom Setting her wunderschön an diesem sehr schönen, sonnigen Sommermittag.

Man fühlt sich hier sicherlich nicht mitten in Berlin, glücklicherweise bin ich etwas früher hier als reserviert und kriege noch einen der vier Tische auf der Terrasse. Das Restaurant sonst ist zwar sehr schön gestaltet, aber sehr eng bestuhlt, wenn es hier an einem Abend voll ist, wird es bestimmt laut wie auch wirklich sehr eng.
Ich bin mit meinem Platz und der kühlenden Brise von dem Wasserkonstrukt sehr zufrieden und schaue durch die Karte. Hier gibt es eine Mittagskarte (3 Gänge à 51 €, weitere Gänge 17 € pro Gang) oder die Möglichkeit für das grosse Menü (8 Gänge à 189 €). Viele Gerichte vom Mittagsmenü sind so auch im grossen Menü oder auf der Abendkarte enthalten, somit entscheide ich mich für eine Auswahl von 5 Gängen von der Mittagskarte.

Als Amuse Bouche wird nun eine Kaviardose serviert gefüllt mit Rüben, Mascarponecrème, Amalfi-Zitronen-Kaviar und daneben einen Cracker aus Tofu. Alles ist sehr erfrischend und sommerlich, jedoch zeigen sich kleinere, technische Mängel. So ist der Zitronen-Kaviar sehr unterschiedlich gross und eher etwas fest. Hier wäre eine andere Herstellung, vielleicht mit flüssigem Kern dafür weniger davon besser gewesen.


Brot wird hier im Gegensatz zum Vorabend natürlich gereicht, dazu ein Kräuter-Hüttenkäse (zu starker Geschmack nach Sauerampfer) und eine leicht gesalzene Butter. Die Brötchen sind gut, aber auch nicht allzu überragend.


Zum Einstieg habe ich mich für Kalbskopf, Röstzwiebel, Anchovis und Paprika entschieden. Der Kalbskopf wurde zu einer Art Roulade verarbeitet, ist angenehm und intensiv im Geschmack. Der Salat interessant, aber es fehlt an Frische und Säure. Es wirkt trotz dem Paprika und dem Salat sehr schwer und ölig. Geschmacklich ist es durchaus gut, aber so richtig springt der Funke nicht über.


Nachfolgend entschiede ich mich für zwei Fischgänge (sind wahrscheinlich eigentlich Hauptgänge), als erstes kommt Saibling, Kohlrabi, Kapuzinerkresse und Marcis. Die Portion ist ziemlich gross, von der Anrichte her sehr schön gestaltet und der Fisch absolut makellos in Zubereitung und auch Qualität. Die Kohlrabi gibt einen guten Biss mit, dann kommt aber wieder das gleiche Problem wie vorhin, es fehlt an Säure. Irgendetwas, das das Gericht auffrischt, würde einfach das Gericht harmonischer gestalten.


War das vorherige Gericht schon sehr gut portioniert, so wird nun nochmals ein ziemlich üppiger Teller aufgetischt als Felsenoktopus, Bohnen, Artischocke und Datteltomate. Es ist hier ein kompletter Arm des Tieres auf dem Teller. Leider ist dieser auch nicht zart sondern ziemlich Kauintensiv, dies wurde auch angemerkt. Geschmacklich war das ganze gut mit schönen Röstaromen und einer mediterranen Note. Jedoch waren die technischen Probleme hier etwas grob, der Oktopus gummig (ein ganz kleiner Teil war genau gut), die Bohnen auch nicht ideal gegart und einfach eine zu grosse Portion.


Nun zum eigentlichen Hauptgang BBQ-Nacken vom Wollschwein, Majoran und Salzzitrone. Der Nacken ist von guter Qualität und guter Zubereitung geprägt. Leider wurde es hier etwas zu gut gemeint mit der Salzzitrone, die fast alles geschmacklich überdeckt. Diese Portion ist nun sinnvoll, aber man hat durch das vorherige mit einem gewissen Sättigungsgrad zu kämpfen.


Eigentlich bin ich ganz froh aufgrund des Sättigungsgrads, dass hier auf ein Pré-Dessert verzichtet wird, aber irgendwie wäre eine Erfrischung doch angenehm. Ich überlege auch kurz das Dessert komplett sein zu lassen, versuche es dann aber doch mit Armer Ritter, Rauchpfirsich, Champagner und Sonnenblume. Die Sonnenblumenkerne funktionieren erstaunlich gut, auch die anderen Komponenten sind sehr stimmig, einzig der arme Ritter ist hier eher etwas verkümmert als arm, es fehlt eine gewisse Krossheit und die schönen Röstaromen, die einen an die Kindheit denken lässt. So ist es eher ein leichter Briocheteig, der eher etwas Fülle beisteuert.


Der Schluss nach etwas Verschnaufpause wird auch hier mit süssen Kleinigkeiten gesetzt. Endlich kommt auch die gewünschte Erfrischung in Form eines Erdbeersorbets, daneben gibt es einen Cupcake mit Pistazie und eine Praline mit Orangenblüten. Alles ganz ordentlich und irgendwie etwas versöhnlich.


Irgendwie schade, denn vom Ort her gibt es hier einiges zu bieten, eine kleine Oase mitten am Potsdamer Platz, aber der Funke beim Essen ist leider nicht übergesprungen. Die Portionen waren auch einfach viel zu gross, dies ist ein eher vermeidbarer Fehler, man sieht es ja auf der Bestellung und es wurde auch nie beanstandet oder informiert, dass es sich um 3 Hauptspeisen handeln würde. Geschmacklich und auch qualitativ war alles ganz gut, aber einige technische Fehler und auch die fehlende Harmonie der Speisen entsprechen zumindest an diesem Mittag nicht den Bewertungen und wohl auch dem eigenen Anspruch des Restaurants. Wohlgemerkt es war hier nichts schlecht oder ungeniessbar, aber es entsprach einfach nicht dem Gewünschten und den Erwartungen.

BewertungsartBewertungBegründung
Essen:7Gute Qualität und Produkte, schöne Anrichte der Gerichte, aber leider fehlt die Harmonie.
Ambiente:4Eine echte Oase mitten in Berlin, jedoch sind die Tische im Restaurant sehr eng bestuhlt.
Service:3Der Service war gut, wirkte aber teilweise etwas unterkühlt und distanziert, auch die Stimmung im Team wirkte eher angespannt.
Preis-Leistung:3Die Preise vor allem am Mittag sind sehr gut, auch die Getränke haben eine angenehme Preisgestaltung. Die Leistung hinkt aber dem Preis etwas hinterher.

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