L’Auberge de l’Ill * * * in Illhaeusern (FR)

Was macht man an einem Freitag Abend Ende April? Klar man fährt kurz ins Elsass und schaut einmal wie gut es bei einem 3-Sterne Restaurant so schmeckt, das mittlerweile seit 50 Jahren diese 3-Sterne Wertung hält. Es gibt nur noch ein weiteres Restaurant, das diese Wertung länger hält und dies ist das Restaurant von Paul Bocusse in Lyon.
Über beide alteingesessenen 3-Sterner in Frankreich liest man meist nicht überschwänglich positives, also gehe ich mit einer etwas heruntergesetzten Euphorie in die Auberge de l’Ill. Die Euphorie wurde nicht nur durch die Berichte etwas gedämpft, sondern auch durch meine eigenen Erfahrungen und dem Reservierungsdebakel hier. Es benötigte 9 E-Mails hin und her bis endlich ein Termin gefunden werden konnte, dabei habe ich mein Möglichstes versucht, dies so einfach und unkompliziert wie möglich zu machen.
Schlussendlich hat es dann doch geklappt und so komme ich um 19:05 Uhr im hübschen Dorf Illhaeusern an. Das Restaurant ist leer, die Empfangsleute stehen herum und schauen mich etwas verdutzt an, bis nach ca. 2 Minuten schauen und verwirrt sein, eine Dame fragt, ob ich reserviert habe. Natürlich nicht, ich laufe grundsätzlich am Freitagabend im Anzug in ein 3-Sterne Restaurant, weil mir gerade danach ist…
Ich werde an diesem Punkt weder gefragt, ob ich den Sakko abgeben möchte, noch ob ich doch bei dem schönen Wetter die ersten Snacks auf der Terrasse geniessen möchte. Ich werde direkt zum Tisch geführt und dort platziert.
Das Restaurant ist schön gelegen gleich am Fluss Ill mit grossen Fenstern und an diesem schönen Abend viel Sonne. Die Räume wurden nochmals auf dieses Jahr leicht renoviert und so wirkt zumindest das Ambiente stimmig und schön.

Als Apéritif folgt ein Glas Champagner und die ersten Snacks, eine Tartelette mit Foie Gras Parfait und einer gebrannten Zuckerkruste, ein Gougère und eine Maki-Rolle mit Hummer (Ananas unterschlagen…) und Sesam. Alles ganz ordentlich aber auch nicht mehr.

Wasser kann man hier auch erst nach dem Essen scheinbar bestellen, egal zur Auswahl steht hier eine vergleichsweise grosse à la Carte Sektion mit einigen Klassikern oder das Degustationsmenü in 6 Gängen (184 €), das neuere und moderne Gerichte verspricht. Die Wahl fällt auf das Degustationsmenü.
Hier wird dann, nachdem der Service mit der Bestellung verschwunden ist, nachgefragt, ob ich denn Allergien oder Unverträglichkeiten hätte? Wäre wohl sinnvoller gewesen, dies in einem der zahlreichen E-Mails oder zu Beginn nachzufragen.
Nachdem dies geklärt ist, wird Butter aus Saint Malo (einmal gesalzen und einmal nature) aufgetischt und man kann aus drei verschiedenen Brotsorten auswählen (weisses Baguette, Vollkorn-Brötchen oder dunkles Kartoffelbrötchen). Das Baguette und Kartoffelbrötchen haben eine sehr dicke leicht zähe Kruste, das beste Brot ist hier die Vollkorn-Variante. Überragend oder hervorragend ist hier keines der Brote. Die Butter ist gut, aber nicht so überragend, dass es nun enorm wichtig ist, dass diese aus Saint Malo kommt.


Glücklicherweise hat nun auch das Wasser seinen Weg an meinen Tisch gefunden, dazu kommt noch ein Amuse Bouche mit einem kleinen Stück Seezunge mit hervorragender Qualität auf einem Artischoken-Salat mit Krustentierschaum bedeckt. Das ganze ist schön maritim und herb, geschmacklich sehr gut, aber halt auch eher etwas eintönig. Etwas Säure hätte hier durchaus mehr Pepp gebracht.


Ziemlich zügig geht es weiter mit dem ersten Gang, scharf gebratener, roter Thunfisch mit Safran gewürzt und Gamba im Teig frittiert auf einem Mais-Biscuit, dazu eine eingelegte Baby-Paprika und Erbsen. Leider ist die Gamba für meinen Geschmack etwas übergar, was schade ist, denn die Qualität ist makellos. Das ganze Geschmacksbild dieses Gangs erinnert an eine deklinierte Paella.


Es folgt eine französische Spezalität, denn die französische Hochküche wird ja gerne auf zwei Grundzutaten reduziert, Froschschenkel und Schnecken. Hier kommen die Schnecken dran, richtig elsässisch umrandet auf einem Flammkuchen. Hauptakteur ist aber ein ordentliches und qualitativ sehr gutes Stück Saibling auf Sahne-Sauerkraut. Sahne-Sauerkraut ist sehr mächtig, aber geschmacklich sehr gut und harmoniert wunderbar mit dem Saibling. Da geht der knappe und recht trockene Schnecken-Flammkuchen eher ins Hintertreffen, denn diese Zubereitung macht die generell eher trockenen Schnecken, nicht unbedingt saftiger. Der grüne Urwald auf dem Flammkuchen soll wahrscheinlich für die heikleren Esser die Schnecken verdecken…


Die Sonne erhellt das Restaurant immer noch schön und es wird eine ordentliche angebratene Foie gras d’oie mit einer dünnen Scheibe Daikon auf dem ein winziges Stück geräucherter Aal sitzt gereicht. Angegossen wird das ganze mit einem Daikon-Dashi und im Teller bereits drin sind kleine Rübenstücke, ein wenig Grünkohl und vier kleine Reisnudeln (die hätte man getrost weglassen können). Die Foie gras ist wunderbar und überzeugt mit schönen Röstaromen, der Dashi macht das ganze leicht, jedoch sind die Rübenstücke verkocht und die anderen Komponenten nicht wahrnehmbar.


Zum Hauptgang gibt es dann noch die letzten Sonnenstrahlen, die in den Raum durchdringen, auf dem Teller wartet ein ordentlich gebratenes Kalbsfilet mit einer grünen (hervorragenden) und einer weissen (verkochten) Spargel auf einer Vin Jaune Sauce mit Morcheln und Spargelstücken. Der Vin Jaune kommt leider nicht sehr durch in der Sauce, sonst ist es ein geschmackvolles, ziemlich rustikales Gericht.


Nach einer kleinen Pause wird nun wieder einmal ein zu schwerer Käsewagen über den zu dicken Teppich mit viel Kraftaufwand geschoben. Die Auswahl an Käse fokussiert sich stark auf Weichkäse, jedoch nicht unbedingt aus der Region (gerade einmal vier Käse aus dem Elsass). Trotz der Nähe sind hier auch keine Käse vom bekannten Maître Antony zu finden. So fällt die Wahl auf ein paar Rohmilch Weichkäse und einen Comté. Das dazu gereichte Früchte- und Nussbrot ist in Ordnung, aber löst auch keine Begeisterungsstürme aus.


Es schleicht sich wieder ein etwas befremdliches Verhalten vom Service ein, mir wird die leere Wasserflasche weggenommen ohne Nachfrage, ob ich denn noch etwas zu trinken möchte und bevor ich überhaupt reagieren kann oder mir etwas bestellen kann, ohne gleich durch den ganzen Raum zu schreien.
Auch beim Servieren der Petit Fours kommt keine Frage nach einem Getränk oder Kaffee, also mach ich mich bemerkbar und bestelle noch etwas, da es sonst wirklich etwas zu trocken wäre hier. Die Petit Fours sind alle gut, aber wie bisher durchwegs nichts atemberaubendes.


Als Prédessert wird nun eine Gewürztraminer-Sabayone auf gekochtem Rhabarber serviert. Also vom Aussehen her ist das nicht speziell appetitlich, geschmacklich ist es aber ganz in Ordnung, wobei der Rhabarber eher verkocht als gekocht ist.


Der letzte offizielle Gang verspricht nun eine Mango-Tarte mit Zitronen-Meringue und einem Kaffir-Eis. Geschmacklich ist das alles sehr stimmig und auch gut, wobei die Mango mit einem kleinen Viereck, doch etwas knapp ausfällt. Das Eis ist angenehm und gut, aber insgesamt ist das ein einfaches Dessert, das geschmacklich aufgeht.


Zum Schluss gibt es wie so oft noch eine Auswahl an Praliné, diese sind zwar gut, aber eben doch auch nur gut und bei weitem nichts spezielles.

Das Essen im Auberge de l’Ill war zu keinem Zeitpunkt schlecht, geschmacklich und auch von der Produktqualität war es durchaus sehr gut, jedoch haben sich immer kleine Unstimmigkeiten oder auch einfache Fehler eingeschlichen, die auf 3-Sterne Niveau einfach nicht so konstant vorkommen dürfen. Es fehlt auch ein roter Faden durch das Menü. Man versucht sich ein bisschen mit asiatischem Einfluss (ist ja soooo modern und innovativ), dann wieder mit ganz klassisch rustikalen Elementen, dann nimmt man mal noch etwas aus Spanien dazu und weil wir es ja sonst noch vergessen haben, packen wir noch einen elsässischen Flammkuchen rein, damit es ja auch noch regional ist.
Ich bezweifle, dass dieses Restaurant jemals, sofern es nicht irgendwann geschlossen wird, nicht mit 3-Sternen im Guide Michelin geführt wird. Jedoch finde ich dies weder sinn- noch zweckgemäss, nur weil es schon so lange diese Wertung inne hat und somit eine Institution darstellt, sollte es nicht anders bewertet werden.
Es ist sicherlich ein schönes Restaurant in dem man sehr gut Essen kann, aber es ist einfach nicht wie es Michelin selber für ihre Wertung beschreibt:
Drei MICHELIN Sterne: eine einzigartige Küche – eine Reise wert!
Die Handschrift eines großen Küchenchefs! Erstklassige Spitzenprodukte, pure Aromen und intensiver Geschmack, harmonische Kompositionen: Hier wird das Kochen zur Kunst. Perfekt zubereitete Gerichte, die nicht selten zu Klassikern werden.

Zum Thema Service könnte man hier wohl einen eigenen Bericht schreiben. Grundlegend waren sie stets freundlich und auch witzig und offen, nur entspricht die Art ihrer Arbeitsausführung nicht dem gewünschten Niveau, welches hier angestrebt wird. Es kam häufiger vor, dass sie sich gegenseitig im Weg standen, serviert wurde niemals zusammen. Nachschenken war teilweise Glückssache und die restlichen Punkte sind oben beschrieben. Man könnte sagen, sie waren stets bemüht…

Bewertung

BewertungsartBewertungBegründung
Essen:8Produktqualität und Geschmack sind sehr gut, jedoch fehlt die Konstanz. Teilweise handwerkliche Fehler und ein fehlender roter Faden.
Ambiente:4Sehr schönes Restaurant direkt an einem kleinen Fluss in der Ortsmitte gelegen.
Service:2Service agiert nicht immer sicher. Freundlichkeit und auch Offenheit waren kein Problem, aber es fehlt an Umsicht und Gespür in der Gästebetreuung.
Preis-Leistung:2Die Preise sind grundlegend sehr gut, jedoch gibt es einzelne Positionen die Ausufern und in Anbetracht, dass man hier einfach nicht von 3-Sternen ausgehen kann, teilweise etwas hoch angesetzt.

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