Simpsons Restaurant * in Birmingham (UK)

Zu guter Letzt steht noch ein Besuch im nicht so zentral gelegenen Simpsons Restaurant in Birmingham an. Die Taxi-Fahrt hierhin ist etwas abenteuerlich, aber ich bin frohen Mutes endlich das erhofft gute Essen hier in Birmingham serviert zu bekommen.
Es ist wohl bereits die Gewohnheit, mit der ich sage, dass ich gerne direkt zu Tisch gehen möchte, noch bevor die nette Empfangsdame mich überhaupt richtig fragen kann. Auch das Simpsons hat einen sehr schönen und lockeren Speiseraum, hier wirkt es alles noch etwas passender, es hat viel Holz und viele helle Töne. Wie bereits in den anderen beiden wird auch hier auf ein Tischtuch verzichtet. Die Atmosphäre ist luftig, locker und heiter. Man sieht auch direkt vom Platz in die Küche durch grosse Fenster. Was aber auch das Simpsons mit den beiden anderen Restaurant gemeinsam hat, ist der Hang laut zu sein.
Aufgrund der abenteuerlichen Hinfahrt entscheide ich mich für einen Drink, dieser fällt etwas sauer aus, sonst aber gut. Man hat hier am Abend die Wahl zwischen à la Carte (3 Gänge à 65 £) oder dem Tasting-Menü (85 £). Ich entscheide mich für das Tasting-Menü mit einer kleinen Anpassung beim ersten Gang (weglassen von Topinambur).

Hier lässt man es sich nicht nehmen bereits am Anfang diverse Knabbereien aufzutischen, diese werden von den Köchen persönlich serviert und auch erklärt. Hier in der Reihenfolge frittierter Schweine-Dumpling, Hühnchenhaut-Cracker mit Eigelb und Tintenfisch-Tapioka-Cracker mit Fischmousse. Alle sind sehr gut herausgearbeitet und machen Appetit auf mehr.


Endlich gibt es auch ordentliches Brot mit richtiger Kruste dazu eine leicht gesalzene, crémige Butter. Das weisse Landbrot enthält gemälztes Weizenkorn und es wird bei der Herstellung auf den Zusatz von Hefe verzichtet, daneben ist eine Oliven-Brotschnecke, die sehr intensiv im Geschmack ist.


Das erste Gericht am heutigen Abend dreht sich um ein Entenei. Aufgrund meiner Anpassung wird nun ein reichhaltiger Zwiebelsud angegossen. Das Gericht ist hervorragend, sehr intensiv im Geschmack und reichhaltig. Ein sehr guter Start.


Bereits jetzt kommt das Highlight des Abends, obwohl ich zuerst etwas skeptisch bin, da Dill meiner Meinung nach sehr schnell überhand gewinnen kann und ich letzter Zeit vermehrt auf Lachs verzichtet habe. Das Gericht heisst gemäss Karte CURED SALMON, Obsi blue prawn, buttermilk and horseradish, dill oil. Überraschend ist, dass sowohl der Lachs, als auch die Crevetten in rohem Zustand sind. Als Kontrastgeber wirken Kohlrabi-Scheiben und die Buttermilch-Meerrettich-Sauce gibt einen wunderbar crémig, aber auch erfrischenden Kontrast. Das Gericht ist hervorragend und zeigt eine sehr produkt-fokussierte Küche mit hoher Qualität auf.


Ein weiterer Fischgang heisst SKREI COD, Baby leeks, king oyster mushrooms, truffle. Es geht also wieder an den Skrei, doch im Gegensatz zum Mittag ist dieser perfekt zubereitet. Hat eine schön angeröstete Oberfläche und ist innen wunderbar weich. Es geht also doch auch in Birmingham ein solches Produkt richtig zu würdigen. Die Geschmackstiefe ist auch hier wieder hervorragend.


Die Unterhaltung mit dem Servicepersonal ist sehr erfrischend und wirkt nie aufgesetzt, dennoch werde ich sehr oft gefragt, ob alles gut gewesen war, oder was nun am besten geschmeckt hat. Die Hauptspeise wird wiederum von einem Koch serviert und er schwärmt von der Sauce und dem wunderbaren Lamm. Die Karte benennt dies mit CORNISH LAMB, Parsley roots, anchovy, monks beard, seeds. Das Lamm ist auch hervorragend, genauso die Sauce, etwas stark und demnach knapp dosiert sollte die Sardellen-Mayo sein, in kleinen Dosen gibt sie einen wunderbaren Geschmack ab, erwischt man zu viel, schmeckt man nur noch die Sardellen. Das Rissotto von verschiedenen Samen und Getreiden ist sehr interessant und abwechslungsreich.


Aufgrund meiner leichten Abneigung zu Blauschimmel-Käse war ich nun gespannt. Beim Auswählen gab es diesbezüglich eine kleine Diskussion mit dem Entscheid, dass ich mich darauf einlassen werde. Es folgt also BLUE MONDAY, Pickled walnuts, chicory, apple. Der Käse ist schon sehr salzig und wird bestimmt nie mein Lieblingsgericht, aber das Gesamtkonzept ist sehr gut umgesetzt und ausgearbeitet. Vor allem die Apfelstücke bieten ein gutes Gegengewicht zum Käse.


Wie gewohnt kommt nach dem Käse der süsse Teil, wie bei den anderen Restaurants zuvor spielt auch hier die Rhabarber eine Hauptrolle in YORKSHIRE RHUBARB, Burnt cream, Madagascan sugar, rhubarb sorbet. Hier gibt es gar nichts zu beanstanden, ein wunderbares Dessert wie es sein sollte. Kühle, Säure, Frische, Wärme, Süsse und Biss, alles ist vorhanden und alles schmeckt wunderbar harmonisch.


Das zweite Dessert hat nun das Hauptthema Birne in PEAR, Date, stout, oat biscuit, pear ice-cream. Es ist ein angenehmes Dessert, aber leider etwas eindimensional. Hier hätten säurelastige Akzente, wie Birnen-Cider-Gelee oder etwas zitrusartiges, das ganze aufgelockert und erfrischt. Wohlgemerkt das Dessert war gut, aber mit etwas mehr Pepp und Säure wäre es grandios.


Auch hier werden süsse Knabbereien mit Kaffee oder Tee in Verbindung gesetzt, da mir aber nicht danach ist verzichte ich darauf. Dennoch wird noch ein Ice-Lolipop serviert als Hommage an einen englischen Stieleis-Klassiker, der bei uns dem Magnum-Eis ähnelt. Die Schocko-Hülle ist etwas dick aber sonst ist er ganz lecker und witzig.

Wie heisst es doch so schön „das Beste zum Schluss“. Dies trifft auf diese Birmingham Reise sehr gut zu. Das Simpsons ist klar das beste Restaurant der drei in Birmingham besuchten. Eine kurze Plauderei mit dem Chef Luke Tipping nach dem Essen ist auch interessant.
Er sagt klar, dass die Tendenz mehr zu Fine-Casual geht und man lieber eine lockere Atmosphäre pflegt. Dies finde ich sehr gut, die Lautstärke könnte für mich aber noch etwas gedämpfter sein.
Ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass sehr bald hier ein zweiter Michelin-Stern prangern könnte, meiner Meinung nach wäre es jetzt schon verdient. Das Simpsons hat mich stark an das meiner Meinung nach unterschätzte Pollen Street Social in London erinnert. So bin ich froh, doch noch ein tolles Ess-Erlebnis in Birmingham gefunden zu haben.

Bewertung

BewertungsartBewertungBegründung
Essen:8Sehr gute Produkte und wunderbare Umsetzung. Die Gerichte haben eine schöne Geschmackstiefe und Harmonie.
Ambiente:3Das Ambiente ist sehr schön und stimmig, jedoch tendiert es dazu, bei starker Belegung laut zu werden.
Service:4Der Service ist sehr kompetent, freundlich und höflich. Sie haben ein gutes Talent sich natürlich mit dem Gast zu unterhalten und wirken zu jederzeit sehr professionell.
Preis-Leistung:4Die Qualität der Produkte ist makellos, die Zubereitung hervorragend und der Preis im Verhältnis ansprechend.

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