Adam’s Restaurant * in Birmingham (UK)

Birmingham eine Stadt (sogar die zweitgrösste Stadt in England mit mehr als einer Million Einwohnern), die man kaum als nicht Engländer wahrnimmt. Wäre hier nicht die grösse Hunde-Ausstellung der Welt, die Crufts, hätte ich mich wohl auch kaum hierher verirrt. Auf Tourismus ausgerichtet ist die Stadt nicht allzu sehr, auch kulinarisch wird die Stadt kaum wahrgenommen. Dennoch gibt es insgesamt sechs 1-Sterne Restaurants in der Stadt oder unmittelbar in der Nähe.
Ich habe mich für die drei bekanntesten oder zumindest von denen man am meisten Lesen kann entschieden. Der Start macht das Restaurant Adam’s in der Innenstadt. Es sind angenehme 10 Minuten Fussweg vom Hotel und der Empfang ist freundlich. Man kann zuerst noch einen Drink an der Bar nehmen, ich entscheide mich aber direkt für den Sitzplatz und gönne mir da noch einen sehr guten Drink mit Gin, Met, Honig und Zitronensaft. Zur Auswahl stehen ein Tasting Menu (90 £) oder eine à la Carte Auswahl, je 3 Gerichte zur Auswahl pro Gang (3 Gänge à 60 £). Ich entscheide mich für die à la Carte Variante, schiebe aber noch eine zweite Vorspeise aus dem Tasting Menu ein. Dies alles wird hier ohne Probleme entgegengenommen und so kann das Essen also starten.

Während dem Auswählen wurden bereits die ersten Knabbereien serviert in der Reihenfolge sind dies Randenmacaron mit Ziegenkäse-Füllung, Herzmuschel in Weisswein gekocht mit Gurke, Krebsfleisch auf knuspriger Hühnerhaut mit Mais und eine Praliné mit flüssigem Brathähnchen Kern. Hier überzeugten vor allem die zwei letzten mit intensiven Aromen und guter Umsetzung.


Nach der Bestellung wird einmal eine gesalzene, hausgemachte Butter und leicht geräuchert, gesalzenes Schweineschmalz aufgetischt. Zur Auswahl stehen drei verschiedene Sauerteig Brotsorten, Vollkorn-, Wein- und weisses Bauernbrot. Das Weinbrot ist sehr salzig, das Vollkornbrot eher langweilig, einzig das weisse Bauernbrot ist gut. Das Schweineschmalz passt erstaunlich gut und ist besser als die sehr krümmelige Butter.


Es geht los mit den eigentlichen Gerichten, der Anfang macht Kalbsbries mit Klapperschwamm und Blackpudding. Hier ist der erste Biss sehr salzig, danach mit verschiedenen Kombinationen wird es besser. Leider ist das Kalbsbries paniert und nicht allzu knusprig ausgebacken, somit gibt es weder ordentliche Röstaromen noch eine sehr knusprige Hülle. Auf dem Teller sind generell sehr viele Komponenten, womit kein klarer Geschmack durchkommt.


Der eingeschobene Gang aus dem Tasting Menü Oktopus mit Avocado und Chorizo wird serviert. Eigentlich hatte ich mich auf schöne angeröstete Tentakel gefreut, leider ist es aber eine Terrine. Die Qualität des Oktopus oder die Zubereitung davon ist nicht optimal. Die enorm angepriesene Chorizo ist zu dick und dadurch eher zäh und die Avocado ist leider auch eher von mittelmässiger Qualität. Optisch schön, geschmacklich eher schwach.


Als Hauptspeise wähle ich Maispoularde mit Morcheln, Haggis und Baby-Grünkohl. Interessanterweise befinden sich nun auf dem Teller auch noch schwarze Trüffel (keine Ahnung von wo oder welche genau) und Kartoffelpüree. Das letztere ist sehr salzig (angeblich durch einen sehr salzigen Käse…). Die Maispoularde ist gut, kommt aber natürlich nicht an das Londoner pendant aus dem Dinner by Heston heran. Das Haggis ist eine interessante, wenn auch nochmals salzige Komponente. Der Trüffel lieferte nicht allzu viel Geschmack bei, was eigentlich ungewöhnlich ist. Leider war der Teller auch eher kalt, womit das Gericht schnell auskühlte, etwas eigenartig.


Meine Anmerkungen zum Thema sehr salzig werden vom Service aufgenommen, die Antwort, es liege an der speziellen Zubereitung mit dem Käse, finde ich ziemlich komisch. Es wird nun ein Pre-Dessert serviert mit Rhabarber, ich weiss nicht genau, ob dies eine Art Entschuldigung ist oder so vorgesehen ist. Das Pre-Dessert überzeugt leider kaum, sehr süss, die Rhabarber-Stücke zäh und auch sonst eher ein Sammelsurium an einheitlichen Texturen mit sehr süssem Geschmack auf engstem Raum.


So nun zum geplanten süssen Abschluss, gemäss Karte heisst dies Apfel, Zitrone, Walnuss und Ingwer-Sponge. Alles davon habe ich sehr gerne, auch hier in diesem Gericht. Jedoch wird noch eine Caramel-Mousse reingezimmert (was hat die hier verloren?), vom Geschmack und Geruch an Verbranntes erinnernd und eher geschmacklich in Richtung Asche tendierend. Glücklicherweise kann ich gut um dieses Mousse herum manövrieren und so bleibt das dann einfach auf dem Teller zurück. Das Dessert geht in Ordnung, wenn man die Caramel-Mousse weglässt.


Als kleine Naschereien zum Schluss geht es nochmals an den Anfang, es wird ein Randenmacaron serviert, diesmal aber mit Holunderblüten-Füllung. Ist leider nichts weltbewegendes, die Pralinées überzeugen da eher.

Somit ist der erste Restaurant-Besuch in Birmingham durch, es bleibt ein etwas fader Beigeschmack. Jedes Gericht hatte meistens eine Komponente die störte, meistens waren es solche, die nicht auf der Karte erwähnt waren und somit an sich auch nichts auf dem Teller verloren haben. Die letzten Knabbereien liessen eigentlich etwas gutes erhoffen, leider konnte das nicht so weiter umgesetzt werden. Das Essen hier war nicht schlecht wohlverstanden, aber es war auch nicht gut. Zusätzlich wurde es im Verlauf des Abends mit mehr Gästen immer lauter, die Geräuschkulisse war eher störend, zumal eine jüngere Dame am Nebentisch ein äusserst lautes und nervendes Lachen drauf hatte. Am Schluss war ich froh, das Essen hinter mir zu haben. Ich war um neue Eindrücke reicher und hoffe auf besseres Essen hier in Birmingham

Bewertung

BewertungsartBewertungBegründung
Essen:6Das Essen war zwar mehrheitlich gut. Jedoch war fast überall eine störende Komponente dabei, die nicht reinpasste. Die Qualität war mehrheitlich gut mit kleineren Mängeln
Ambiente:2Das Restaurant ist zwar schön und auch sehr modern und angenehm gestaltet. Jedoch ist die Geräuschkulisse bei hoher Bestuhlung sehr laut und störend.
Service:3Der Service war nett und freundlich.
Preis-Leistung:2Die Preise stimmen nicht immer mit der Qualität und der Leistung überein.

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