La Riva * in Lenzerheide (CH)

Lenzerheide am Mittwochmorgen: -17 ° Celsius, blauer Himmel, Sonnenschein und viel Schnee. So stellt man sich einen Wintersportort zur Hochsaison vor. Aber es hat vergleichsweise wenig Menschen auf den Pisten, womit sich der Schlittelspass nach dem Restaurant-Besuch noch viel mehr lohnt. Der Guide Michelin hatte für die Version 2017 sowieso viel übrig für diesen Ort, so wurden gleich zwei Restaurants mit je einem Stern ausgezeichnet. Eines davon ist im Maiensäss-Hotel Guarda Val und das andere ist das direkt am See gelegene und somit auch zentrale La Riva.
Das Restaurant ist von aussen eher etwas unscheinbar, überzeugt aber innen mit angenehmer Dekoration, viel Holz und einer tollen Aussicht aus den grossen Frontfestern.


Zur Ski-Saison hat das Restaurant jeweils Mittags und Abends offen. Die Karte ist umfänglich und bietet am Mittag auch einfachere Gerichte und kurze Menüs. Das grosse Menü wird in 6 Gängen zu CHF 144.- angeboten, Speisen à la Carte liegen zwischen CHF 12.- und 59.-. Heute wähle ich das grosse Menü, schiebe aber ein weiterer Zwischengang ein und verzichte dafür auf den Käse.

Gestartet wird aber wie meistens mit etwas Brot (Tomaten- und Ruchmehlbrot) dazu einen Tomatenaufstrich. Das Brot ist in Ordnung aber nichts weltbewegendes und eine Bergbutter, wäre für meinen Geschmack besser gewesen als dieser Tomatenaufstrich.


Als Amuse Bouche folgt eine Variation vom Blumenkohl mit Feige, Cashew und Pommerysenf. Interessanterweise ist dies der erste Gang beim Vegi-Menü und die anderen Gäste erhalten den Graved-Lachs als Amuse, was bei mir ja noch folgt. Der Einstieg ist gut, hat eine genügende Texturabwechslung, dass nicht alles im crémigen untergeht, jedoch wünschte ich mir etwas Röstaromen entweder beim Blumenkohl oder bei den Cashews, einfach um etwas mehr Pepp rein zu bringen.


Der erste Gang des Menüs verspricht sehr viel Vorspeisenkreation: Graved Lachs, Getrüffeltes Kalbstatar, Rande mit Kaviar,
Rindstatar, Entenpraline, Reh
. Die Präsentation auf der Wurzel ist sehr interessant. Leider sind die einzelnen Kleinigkeiten eher etwas banal und auch selten wirklich herausstehend. Die Trüffelscheibe auf dem Kalbstatar wirkt trocken und schon etwas lange darauf, die eingelegten Radieschen zum Lachs steuern kaum etwas bei, die Entenpraline ist nur sehr dezent wahr zu nehmen. Die einzelnen Dinge sind nicht schlecht, gar nicht, aber es ist ein zu grosses Sammelsurium an Geschmäckern und Konsistenzen. Nichts sticht für mich wirklich heraus, was an sich schade ist. Weniger ist manchmal wohl doch mehr, die Hälfte, dafür halt wirklich kräftig, hätte hier wohl mehr Wirkung gezeigt.


Da es ja draussen sehr kalt ist, freut der folgende Gang mit einer Suppe doch ungemein, heissen tut dies hier: Hummerschaumsuppe:
Avocado, Orange
. Aufgetischt wird dann insgesamt die erwähnte Suppe, ein Hummer-Sorbet, Hummerstücke mit Avocado-Créme-Tupfer und Orangenstücke mit Orangenzeste und ein hausgemachter Hummerchip. Das separate Hummerfleisch ist wunderbar und von sehr guter Qualität und Zubereitung. Die Avocado kommt als Créme-Tupfer nicht allzu sehr zur Geltung, die Orangenstücke bringen frische Säure. Die Suppe ist gut und wärmend, würde aber noch mehr Geschmackstiefe ertragen. Das Hummer-Sorbet erschliesst sich mir nicht, es ist zu dezent im Geschmack und liefert keinen Mehrwert. Der Chip ist in Ordnung und liefert etwas Texturkontrast.


Auf Wunsch folgt ein kleines Intermezzo mit Trüffelravioli mit Alba Trüffel. Die Ravioli sind in hauchdünnem, wunderbarem Pastateig. Die Füllung ist crémig fein und darauf ist ein sehr leichter Trüffelschaum. Am Tisch wird frisch etwas Alba Trüffel darüber gehobelt. Das Exemplar hier ist recht klein und qualitativ nicht von dem Niveau wie ich es im Dezember an anderen Orten geniessen durfte. Trotzdem ist es mal endlich wieder eine wunderbare Zubereitung von Ravioli, der Trüffel kommt zur vollen Geltung und es hat nichts auf dem Teller, was keinen Mehrwert beisteuert.


Das Menü wird hier wieder fortgeführt in normalen Bahnen und verspricht nun eine sehr klassische, deftige Sache mit Geschmorte Kalbsbacken,
Schwarze Baumnüsse, Silberzwiebel, Kartoffel
. Das ganze ist sehr gut und optisch auch schön. Die Kalbsbacken dürften noch einen Tick saftiger sein und etwas mehr von der wirklich guten Sauce und den Silberzwiebeln hätte es meiner Meinung nach ertragen. Alles in allem aber ein sehr wohliges Gericht.


Trotz der eher modernen Optik und Umsetzung scheint man hier doch auf gewisse klassische Überbleibsel zu setzen, denn es wird vor der Hauptspeise noch ein Grüntee-Glacé serviert. Wollte damit eine Erfrischung erzielt werden, ist es nicht wirklich gelungen. Das Eis ist nicht schlecht, aber halt kein Sorbet sondern auf Milch/Rahm-Basis. Mir fehlte etwas die Säure und so war es dann einfach dezent süsslich und crémig.


Eine kurze Pause hilft um etwas Luft zu holen, die Portionen bisher waren vergleichsweise gross, der Hauptgang toppt dies nun aber. Der Hauptgang hier heisst US Black Angus Rindsfilet, Schwarzwurzel, Mangold, Kräuter-Pizokel. Die Portion ist wirklich sehr gross und wirkt eher durch den riesigen Teller kleiner. Das Fleisch ist zart und von guter Qualität, wirkt aber leicht trocken, wahrscheinlich durch das nachziehen lassen in einer Wärmeschublade oder im Ofen. Der angegossene Jus ist sehr intensiv und kräftig im Geschmack. Die einzelnen Stücke Schwarzwurzel sind aussen auch etwas trocken, sonst aber gut mit leichtem Biss. Das Mangold oder eben doch Spinat-Beet unter dem Filet ist gut und knackig. Ein guter Hauptgang aber doch eine trügerisch, grosse Portion.


Als süsser Abschluss folgt logischerweise noch das Dessert in Form von Bündner Dessert Variation: Baumnüsse, Apfel, Karamel. Das Dessert ist sehr gut und auch erstaunlich leicht. Die Optik ist abermals sehr schön und auch modern gehalten. Ich bin sehr froh, wird hier nicht noch ein Gemüse versucht im Dessert unterzujubeln. Es ist weder zu süss noch zu crémig und schafft immer leichte Spitzen von Säure und auch Nussigkeit.


Friandise und Pralinés sind hier zusammen. Insgesamt ist alles recht gut, ohne dass irgendetwas enorm auf- oder abfällt.


Das Restaurant war ziemlich leer an diesem Mittag, was mich etwas wundert, dass es überhaupt am Mittag offen hat, wenn so wenig läuft. Die Besucher am Mittag hier, waren alles wiederkehrende Gäste. Die Gerichte sind gut, die Portionen nicht klein und die Preise angemessen. Es gibt aber auch bei dieser grossen Bandbreite immer wieder Kleinigkeiten die das Gesamtbild etwas stören, oder die eben für den letzten Wohlgenuss fehlen. Alles in allem ein angenehmes Restaurant mit guter Bedienung und auch gutem Essen.

Bewertung

BewertungsartBewertungBegründung
Essen:6Gutes Essen und gute Produkte. Manchmal zu viele Dinge, die keinen Mehrwert beisteuern. Optik ist sehr gut, Geschmack meistens auch.
Ambiente:3Das Ambiente ist angenehm und passt zur Umgebung. Das Restaurant ist recht gross und könnte bei vielen Besuchern etwas laut werden.
Service:4Der Service war stets freundlich, aufmerksam und angenehm.
Preis-Leistung:3Die Preise stimmen mit der Leistung und dem Gebotenem überein. Die Portionen sind vergleichsweise gross.

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