Gasthaus zum Gupf * in Rehetobel (CH)

Draussen tobt ein ordentlicher Schneesturm, die Strassen sind kaum befahrbar, aber man hat Hunger. Natürlich war die Reservation schon vorgängig getätigt, die Anfahrt auf den Gupf ist aber noch um einiges abenteuerlicher bei so viel Schnee. Das Auto musste vor dem letzten Anstieg stehen gelassen werden und wir mussten vom Sommelier abgeholt werden, dies funktionierte dafür wunderbar.

Das Restaurant ist auf einer Erhöhung über Rehetobel im Appenzellerland. Das Restaurant ist ein sehr schönes Appenzeller Landgasthaus mit dazugehörendem Bauernhof von dem auch das meiste Fleisch stammt. Im Sommer soll man hier eine herrliche Aussicht auf den Bodensee oder den Alpstein haben. Jetzt aber ist man froh in die warme Stube zu kommen und ein gutes Mahl einzunehmen.

Das Gasthaus zum Gupf ist ein gehobenes aber doch sehr normales Landgasthaus. Hier gibt es eine Karte, die auch ein Menü enthält, aber man wählt hier meist einfach à la Carte. Die Preise belaufen sich auf ca. CHF 20.- – 80.- für die Speisen, bei 5 Gängen kommt man aber recht schnell auf ca. CHF 180.-. Die Portionen sind aber sehr gross, also bei einer normalen 3 Gänge Auswahl ist man vollkommen satt. Ich hatte zugegebenermassen ab dem Hauptgang etwas zu kämpfen.


Das Brot war bereits auf dem Tisch und ich weiss nicht, ob dieses eingekauft ist oder im Haus hergestellt wird, es war jedenfalls nichts spezielles oder überragendes, aber es war gut. Die Butter dagegen ist vom Hof und das schmeckte man auch, die war absolut hervorragend.


Nach der Bestellung folgte ein Gruss aus der Küche in Form von zwei Amuse Bouches. Eine sehr wärmende und auch heisse Gemüse-Créme-Suppe und daneben Siedfleisch vom Hof in Sulz mit Meerrettich auf Sellerie-Salat. Zwei sehr rustikale aber auch winterlich gute Grüsse, nun ist man sicherlich gewärmt.


Als Vorspeise entscheide ich mich für die Empfehlung des Tages: Rindstatar vom Hof mit Kalbsmilken, Wachtelei und Perigord-Trüffel. Das Tatar zeugt von einer hervorragenden Fleischqualität und ist nicht zu stark gewürzt. Die Kalbmilken haben wunderbare Röstaromen und sind perfekt zubereitet, sie passen auch erstaunlich gut dazu. Die Dekoration ist etwas überladen und könnte durchaus etwas puristischer sein für meinen Geschmack. Alles in allem aber ein sehr gutes Tatar, das ich schon lange nicht mehr so gut gehabt habe.


Im ersten Zwischengang meiner Wahl ist nochmals Trüffel vorhanden, es ist dies fast schon eine sehr klassische Kombination, die vor allem an solch kalten Tagen einfach wunderbar wärmt: Landei mit Spinat und Perigord-Trüffel. Das Landei ist in einer knusprigen Panade, es wirkt schon fast wie ein Scotch-Egg halt einfach ohne das Fleisch herum. Das Eigelb ist noch wunderbar flüssig, der Spinat makellos und die Sauce dazu tief und kräftig. Sowas ist keine neue kulinarische Offenbarung, aber einfach wärmender Wohlgeschmack. Die Dekoration mit der frittierten Petersilie ist auch hier vorhanden und wird sich durchziehen, man könnte das ebenso gut weglassen, es fördert weder Optik noch Geschmack.


Eines meiner Lieblingsfleischarten folgt als zweiter Zwischengang Kaninchen auf dreierlei Mais mit schwarzen Nüssen. Leider trifft man Kaninchen oder auch Hase viel zu selten in Restaurants an, dabei ist es ein wunderbares Fleisch, wenn die Qualität stimmt. Hier stimmt die Qualität, das Fleisch ist perfekt zubereitet, saftig, zart mit feinem Geschmack. Das Dreierlei vom Mais besteht aus Polenta (sehr gut), Baby-Mais stücken (gut) und Popcorn (überflüssig). Eine leichte süsslich-säuerliche Note steuern die schwarzen Nüsse bei und abgerundet wird alles von einem wunderbaren Jus.


Die Portionen bisher waren für Vorspeisen und Zwischengänge sehr gross, da wünscht man sich durchaus, – wenn man ja schon 5 Gänge bestellt- dass diese doch auch in ihrer Grösse etwas angepasst sind. Denn die Hauptspeise in Form von Rehmedaillons mit Spätzli, Pilze und Rotkraut ist wieder eine sehr grosse Portion. Ich bin durchaus ein guter Esser, aber etwas weniger wäre auch noch reichlich genug gewesen. Das Gericht wird von wunderbar zartem, saftigem und geschmackvollem Rehfleisch getragen. Die Spätzli sind einwandfrei, genauso wie das Rotkraut und die Pilze. Auch hier ist es keine neue kulinarische Offenbarung oder die einzelnen Komponenten neue Referenzen, aber es ist einfach ein sehr gutes Gericht mit wunderbarem Geschmack.


Auf Käse wird wegen zu vollem Bauch und Zeitdruck verzichtet, aber natürlich gibt es immer Platz für etwas Süsses. Hier ein Kindheits-Klassiker Öpfelchüechli mit Vanillesauce und Vanille-Glacé, für die des Schweizerdeutschen nicht mächtigen sind das Apfelküchlein. Das sind Apfelringe in einer knusprigen Panade frittiert und danach mit etwas Zimt-Zucker bestreut. Die Öpfelchüechli sind wunderbar in Konsistenz, Geschmack und Optik. Die Vanillesauce ist nicht zu süss, alles in allem ein tolles Dessert.


Auch im Gupf wird man nicht ohne Friandise gehen gelassen. Diese sind allesamt gut, aber auch nichts herausragendes.


Ja man bemerkt es vielleicht, das Gasthaus zum Gupf bietet sehr gutes Essen, das Wohlgeschmack auslöst. Es ist aber kein Restaurant in dem man kulinarische Offenbarungen oder innovative Küche erwarten sollte. Hier wird eine normale, Schweizer Landküche serviert, mit sehr hoher Produktqualität und einwandfreiem Handwerk, also einfaches Essen auf sehr gutem Niveau. Hier wird auch bestimmt jeder satt und jede Person findet etwas nach ihrem Geschmack, einfach und unkompliziert. Manchmal ist es eben genau das was zählt. Ich habe die Zeit und das Essen hier sehr genossen und es war wohlig warm vor dem Cheminée zu sitzen, während draussen der Schneesturm tobte.

Bewertung

BewertungsartBewertungBegründung
Essen:6.5Produkte auf hervorragendem Niveau, Gerichte mit vollem und intensivem Geschmack. Klassische und einfache Landküche, dafür findet jeder etwas. Die Portionen sind sehr gross.
Ambiente:4Man fühlt sich sichtlich wohl in diesem alten Appenzeller Gasthaus. Das Holz wirkt sehr heimelig und die Atmosphäre ist locker und entspannt.
Service:3Die Abholung durch den Sommelier war sehr zuvorkommend und auch unkompliziert. Im Restaurant selber wirkte der Service manchmal etwas unaufmerksam (Wer bekommt was?) und nicht sehr eingespielt (viele Absprachen vor dem Gast). Dies drückte den Gesamteindruck etwas.
Preis-Leistung:3Die Preise stimmen mit der Leistung und dem Gebotenem überein. Variiert aber je nach Gericht und der Portionengrösse etwas.

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