Gourmet-Restaurant Lampart’s * * in Hägendorf (CH)

Schon lange auf der Liste und doch muss es zuerst Heiligabend werden, um es doch noch hierhin zu schaffen. Genauer gesagt ist es „Heiligmittag“ als wir in Hägendorf ankommen. Würde man es nicht kennen, man würde sich wahrscheinlich niemals hierher verirren, obwohl wir sogar einige Zeit ganz in der Nähe von hier gelebt haben.
Das Lampart’s hat auch wunderbar zur Weihnachtszeit (von dieser ist bei dem Wetter halt nicht allzu viel zu spüren) geöffnet und auch ziemlich spontan noch einen Tisch frei. Das Restaurant selber ist sehr schön gestaltet und lässt einen sofort die Tristesse vom übrigen Hägendorf vergessen. Innen wie aussen überzeugt die Gestaltung vollends, die Innendekoration ist weihnachtlich, aber niemals überladen und auch nicht kitschig.

Im Lampart’s hat man die Wahl aus einem umfänglichen Menü und einem vegetarischen Menü, die Anzahl Gänge kann man selber bestimmen, jedes Menü sieht 8 Gänge vor. Man kann auch die Gänge einzeln bestellen und dazu gibt es noch einige Hauptgänge zum separat bestellen. Zu dieser Jahreszeit wird auch noch weisser Trüffel auf Wunsch über einzelne Gerichte gehobelt. Preislich gestaltet sich das ganze zu ca. CHF 155.- – 235.- für ein Essen. Das gewählte Menü ist das umfangreiche Menü Sinfonie „plaisir“, wobei zwei Gänge davon abbestellt wurden.


Als erstes wird die Brotauswahl präsentiert, diese ist durchwegs hervorragend und sehr umfangreich. Die Favoriten waren das Tomatenbrot und die Laugengebäcke, wobei auch alle anderen auf voller Linie überzeugten.


Das Amuse-Bouche folgt in Form von roher Jakobsmuschel auf Selleriepüree mit Grapefruit und Erdnuss. Die Jakobsmuschel ist von ausgezeichneter Qualität hat es aber durch den sehr feinen Geschmack im rohen Zustand schwer gegen die anderen Zutaten. Insgesamt aber ist es ein sehr frischer, leicht bitterer und sehr appetitanregender Einstieg.


Das eigentliche Menü startet nun mit Tataki vom Black Angus Rindsfilet, Bauch vom Mangalitza-Schwein aus Ennetbürgen Nüsslisalat Blätter, Sauerrahm mit Meerrettich, Linsen aus Castelluccio. Auch hier ist die Produktqualität über jeden Zweifel erhaben. Das Bauchstück vom Schwein steuert eine angenehme, rauchige Note bei, der Meerrettich frischt das ganze auf, ohne dabei zu dominant zu werden. Alles in allem ein wunderbarer, winterlicher erster Gang.


Nun wird es aber richtig Winter und es folgt Filet vom Zander aus dem Murtensee, blaue Kartoffeln aus dem Albulatal, Tapioka mit Petersilie, Beurre blanc mit Meauxsenf und Verjus. Der Fisch hat eine wunderbar krosse Haut, ich weiss nicht einmal mehr, wann ich das letzte Mal auf Sterne-Niveau Fisch mit richtig krosser Haut hatte. Das Problem hierbei ist jeweils, dass das Fleisch darunter zu gar werden könnte. Dies ist hier nur im äusseren Bereich der Fall, was aber eine tolle Textur-Reise durch den Fisch ermöglicht, aussen glasig-fest wird er zur Mitte immer weicher. Die zusätzlichen Produkte liefern weiteren Geschmack bei, der Fisch wird aber niemals übertrumpft. Womit das ganze eine äusserst süffige, wunderbare Umsetzung ist.


Als letzter Gang vor dem Hauptgericht folgt eine herrlich, süffige Angelegenheit mit Ravioli mit Ricotta und Schinkensaft, Rahmspinat, warmes flüssiges Eigelb vom Gruebacker Freilandei, Schaum von brauner Butter und weissem Alba-Trüffel. Der kleine Formfehler – es sind Tortellini und nicht Ravioli – sei anhand des Wohlgeschmacks, den dieses Gericht verströmt und auch bietet, verziehen. Das Eigelb gibt eine wunderbare Sauce, die puristischer nicht sein könnte und die Tortellini könnten noch einen dünneren Teig aufweisen, sind aber hervorragend i Geschmack und Biss. Vom weissen Trüffel, der mit seinem Duft gefühlt den ganzen Raum einnimmt, muss man gar nicht erst beginnen. Leider scheint der Trüffel etwas gegen Fotos zu haben, so wurden beide etwas unscharf.


Ein Vorteil am Winter ist, dass die Gerichte meist sehr süffig und intensiv sind, der Nachteil davon kann sein, dass die Gerichte dadurch überladen und zu schwer wirken. Im Lampart’s wird diese Balance zwischen süffig und dennoch nicht zu schwer hervorragend gemeistert. Die Teller sind nicht überladen und das Hauptprodukt steht immer im Fokus. Auch beim Hauptgang wird hier keine Ausnahme gemacht bei „Haxe vom Limousin-Kalb, ganz im Ofen 24 Stunden glasiert, kräftiger Jus, Schwarzwurzelpüree, Rosenkohl, Wirsingchips. Das Stück Haxe ist wunderbar zart und aromatisch, die verschiedenen Kohlzubereitungen geben eine leichte Bitterkeit und Tiefe, dazu die Schwarzwurzel in verschiedenen Formen, die sehr winterlich ist, aber eben nicht so schwer wie Kartoffeln ist. Alles in allem ein weiteres Wohlfühl-Gericht mit einem intensiven Jus.


Um ehrlich zu sein wurde der Käsegang hauptsächlich wegen dem hier berühmten Schlorzifladen bestellt. Der Brie de Meaux ist natürlich ein wunderbarer Käse, der hier auch absolut perfekt gereift angerichtet wird. Dennoch bleibt der Schlorzifladen in meinen Augen ganz klar der Hauptakteur. Interessanterweise ging es auch schon vielen anderen Besuchern, die über das Lampart’s berichteten, nicht anders. Wieso also etwas ändern, wenn es doch so wunderbar ist? Man kann übrigens auch auf Voranmeldung einen ganzen Schlorzifladen bestellen.


Bevor nun der süsse Abschluss kommt, wird noch ein Pré-Dessert serviert mit einer Schokoladen-Schaumpraliné und Orangen dazu. Die Kombination von Zitrusfrüchten und Schokolade funktioniert meiner Meinung sowieso fast immer. Die Orangen hier sind sehr fein und geben durch die Säure eine angenehme Erfrischung zur sonst schweren Schokolade. Ein tolles, süsses Intermezzo.


Vor dem Dessert folgt nochmals ein kleines Zwischenspiel in Form von kleinen Berlinern, diese sind auch wieder hervorragend und gehören zumindest in der Schweiz zur Weihnachtszeit einfach dazu.


Jetzt aber folgt das Dessert mit dem klingenden Namen Haselnuss-Dacquoise Schnitte mit Felchlin Grand Cru Couverture, Sorbet von schwarzen Johannisbeeren. Die Schnitte ist wunderbar ausbalanciert, die Haselnüsse sorgen dafür, dass es nicht zu cremig und eintönig wird. Die Schokolade bringt viel Geschmackstiefe mit ohne dabei überhand zu gewinnen. Dies ist vor allem dem erfrischendem Sorbet aus schwarzen Johannisbeeren zu verdanken. Ja auch der Abschluss überzeugt sehr.


Wie üblich folgen noch süsse Naschereien zum Finale. Die Friandise kann man selber nachlesen auf dem Bild, sie waren allesamt hervorragend. Die Pralinés sind sehr umfangreich vorhanden und die probierten waren auch ohne jede Beanstandung.


So macht doch der Weihnachtsanfang Freude. Es gab keine Hektik, man muss nicht selber kochen und bei diesem Wohlgeschmack in wunderbarem Ambiente ist es doch automatisch besinnlich.

Bewertung

BewertungsartBewertungBegründung
Essen:8.5Produkte auf hervorragendem Niveau, Gerichte mit vollem und intensivem Geschmack. Die Küche ist klassisch und Produktfokussiert ohne zu schwer zu wirken.
Ambiente:5Die alte Remise wurde wunderbar umgebaut. Man fühlt sich sofort wohl hier. Der Essraum ist sehr gross und luftig.
Service:4Der Service war sehr gut, am Anfang noch etwas nervöswirkend, war das nach kurzer Zeit absolut angenehm. Jederzeit freundlich und aufmerksam.
Preis-Leistung:3Die Preise stimmen mit der Leistung und dem Gebotenem überein.

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