Le Louis XV – Alain Ducasse à l’Hôtel de Paris * * * in Monaco (MC)

Fast ist der Aufenthalt an der Côte d’Azur vorbei, auch das Wetter macht keine allzu grosse Freude mehr (es regnet). Da soll nun noch ein letzter kulinarischer Höhepunkt her. Dafür geht es ab nach Monaco ins ehrwürdige Hôtel de Paris gleich neben dem Casino.
Hier hat sich Alain Ducasse mit dem Restaurant Le Louis XV zu 3 Sternen hochgekocht, es ist bloss eines von zwei 3-Sterne-Restaurants an der Côte d’Azur. Das Restaurant wurde vor einem Jahr neu eingerichtet, es steht nun in der Mitte des sehr prunkvollen Raums eine sehr futuristische Installation, an der die Brote, Butter, Olivenöl und Salat vom Service-Personal bereit gemacht wird. Es ist eine interessante Mischung aus alt und neu und es ist sehr interessant dem Personal bei ihren Handgriffen zu zu schauen.
Kaum hat man hier Platz genommen, beginnt ein Ballett mit dem Eindecken und Anrichten der ersten Kleinigkeiten. Das Service-Personal wirkt hier überhaupt nicht steif, ist sehr angenehm und wirkt absolut perfekt koordiniert (angeblich werden sie von Choreographen geschult). Das Essen hier, das wird auch schon bei den ersten Kleinigkeiten schnell bewusst, ist sehr konträr zum Prunk des Hotels und auch Monaco selbst. Was zunächst auf den Tisch gelangt sind simple Sushi-artige Gemüseröllchen, zwei mit feinen, frischen Gemüse-Julienne, eines mit Kräutern (Sauerampfer dominiert hier), dazu wird ein Olivendip gereicht. Dahinter wird hauchdünnes Gebäck einmal mit Gemüse (dünn wie Papier) und einmal mit schwarzer Olivenpaste gereicht.

Frischer und handwerklich hervorragender geht so etwas „Einfaches“ gar nicht.


Da seit dem Umbau das Restaurant nur noch am Abend geöffnet ist, hat man hier nun die Auswahl an Menüs etwas reduziert. Es gibt eine klassische à la carte-Auswahl (84-166 €, Desserts 36 €), ein vegetarisches Menü (Jardins de Provence 240 €) und das Gourmet Menü (330 €). Die Wahl ist relativ einfach und fällt auf das Gourmet Menü.
Kaum gewählt folgt eine weitere Einstimmung auf einem Stein sind lokale Fisch-Stücke mit je einer Geschmacks-Zugabe roh angerichtet. Nun wird heisser Kräutersud angegossen und diese Fischstücke unter der Gloche gedämpft. Unter den Fischstücken sind unter anderem Makrele mit Limettenabrieb, Meerbrasse mit schwarzer Olive, Tintenfisch mit Basilikum. Frischer und produktfokussierter geht fast nicht mehr.


Nun wird auch das Brotfestival eröffnet, man erhält hier gesalzene Butter, lokales Olivenöl, Fleur de Sel, frisch gemahlener Pfeffer und halt die verschiedenen Brote. Probiert an diesem Abend: Landbrot (sehr luftig), Speckbrot (wunderbar) und Baguette (tolle Kruste).


Es gelangt der erste Gang an den Tisch mit gekühlter Meeresfrüchte-Salat mit Kichererbsen und jodigem Vinaigrette-Schaum. Die verschiedenen Meeresfrüchte sind einzeln perfekt gegart und einfach nur zum Träumen, der Schaum liefert eine leichte Säure und tolle jodige Note bei, die Kichererbsen bieten einen Textur und Geschmackskontrast und die Salicorne geben noch das grüne, salatige dazu. Ein einfach nur himmlisches Gericht zum Auslöffeln.


Weiter geht es mit einem äusserst unspektakulär anmutenden Gericht Gemüse aus den Provence-Gärten gekocht mit schwarzem Trüffel. Auf dem Teller sind ganz junge und kleine Karotten, Steckrüben, Artischocken, Fenchel, Zuckerschoten und Lauch. Jedes einzelne Gemüse ist perfekt zubereitet, hat seinen eigenen wunderbaren Geschmack und das ganze wird zusammengefasst vom trüffeligen, säurehaltigen Sud. Gemüse-Teller in Perfektion und Wohlgeschmack.


Nach dem Abstecher in die Gärten, geht es wieder zurück ans Meer, wobei sich der Garten auch dazu mischt in Mittelmeerbrasse mit Fenchel und Zitrusfrüchten aus Menton. Hier wird bei der Qualität der Brasse irgendwie nochmals eins draufgelegt. Der Fenchel dazu ist so gegart, dass er schon fast fleischig wirkt. Zusammengehalten wird es mit der tollen Kräuter-Kumquat-Sauce, auch die warmen Kumquat-Hälften sind wunderbar. Daneben werden noch die Bäckchen roh in einem kalten Fenchelschaum serviert. Hier stimmt einfach alles, das Erdige des Fenchels, die Frisch und Feinheit des Fischs, die Säure der Sauce und die Süsse der Kumquats.


Als Hauptgericht gibt es Perlhuhn aus Landes mit Eierschwämmen auf Sauerampfer-Pesto. Die Perlhuhn-Brust ist zart, saftig, geschmackvoll und einfach perfekt, der Jus dazu ist traumhaft. Die Eierschwämme sind klein und fein und von Qualität, die kaum erreichbar scheint, sie liegen auf einer Art Sauerampfer-Pesto, das liefert eine wunderbare frische bei. Am Ende der Eierschwämmen sitzt eine Kartoffel die bedeckt wurde mit geschmortem Schenkelfleisch. So begeistert wie hier hat mich noch nie ein weissfleischiges Geflügelgericht und es wird wohl auch unmöglich, dies zu toppen.


Für die Erfrischung nach dem Hauptgang sorgt ein Granité aus grünem Apfel und Sauerampfer. Es scheint als sei die Sauerampfer hier sehr beliebt, aber sie wird auch wunderbar verarbeitet und wird nie zu dominant.


Erfrischt geht es an den Käse. Der Käsewagen ist erstaunlich übersichtlich. Alle Käse sind perfekt gereift und auch temperiert. Es folgt aber eine Sonderheit, hier wird zum Käse ein frischer Salat angemacht mit etwas Olivenöl, Salz und Pfeffer gereicht. Zuerst etwas verwirrt geniesse ich den Salat im folgenden mit jedem Bissen.


Alle salzigen Komponenten liegen hinter mir, als Dessert fiel die Wahl natürlich auf Baba au rhum. Man kann aus 4 hervorragenden Rums auswählen, meine Wahl viel auf den Barbancourt 15 Years Reserve aus Haiti. Mit Rum wird nicht gespart, was mir etwas Schwindelgefühl bereitet angesichts des bereits getrunkenen Weisswein, Rotwein und Portwein. Dazu wird lediglich noch ein Schälchen Schlagsahne verfeinert mit Vanille gereicht. Desserttechnisch kommt es zwar nicht an den Tipsy Cake heran, aber es ist dennoch hervorragend.


Interessanterweise werde ich gar nicht erst nach Kaffee gefragt, aber ein Trolly mit frischen Kräutern wird hergefahren für frischen Tee. Serviert nebenbei werden noch kleine Süssigkeiten: Gebrannte Mandeln, kandierte, gefüllte Kumquats, Pistaziencréme mit Orange, Himbeer-Gelee gefüllt mit Himbeer-Likör, Bonbons von roten Beeren mit flüssigem Kern, ein Sorbet von roten Beeren und natürlich intensive Pralinen. Alles ist wunderbar und hervorragend und ein toller Abschluss eines beeindruckenden Essen, das ich bestimmt nicht so schnell vergessen werde.


Hier fühlt man sich wirklich wie ein Fürst, jedoch ein Fürst des guten Geschmacks. Die Gerichte wirken wie ein extremer Kontrast zum Prunk des Raums und des Hotels, aber dieser Kontrast macht es hier aus. Die Teller sind sauber und wirken schlicht, aber die Fokussierung auf einzelne hervorragende Produkte macht sich bezahlt. Jedes Gericht hier war himmlisch und voller Wohlgeschmack, selbst die Artischocken, die ich normalerweise nicht mag, waren wunderbar.

Bewertung

BewertungsartBewertungBegründung
Essen:10Himmlische Gerichte, höchste Produktqualität und einfach ein Erlebnis für sich.
Ambiente:3Klassisch mit modernen Elementen gemischt. Angenehm und ruhig, mit dezenter klassischer Musik als Begleitung. Einzig der etwas steife Dresscode ist etwas verwirrend.
Service:5Service-Leistung auf allerhöchstem Niveau. Überhaupt nicht steif oder arrogant, sondern witzig, freundlich, nahbar, unterhaltend.
Preis-Leistung:3Der Preis ist enorm, die Leistung aber auch, somit hält es sich noch gerade die Waage. Jedoch ist ein Besuch hier niemals günstig.

2 thoughts on “Le Louis XV – Alain Ducasse à l’Hôtel de Paris * * * in Monaco (MC)”

  1. Da die Berichte sonst sehr viel kritische Bemerkungen enthalten, muss ich hier die präsentierten Fotos als äusserst unterdurchschnittlich und bezeichnen.

    1. Die Fotos im Louis XV sind nicht von guter Qualität, leider ist das aber auch gar nicht besser möglich mit einer Handy-Kamera bei Nacht ohne Blitz. Da ich andere Gäste nicht stören will und auch keine professionelle Kamera-Ausrüstung mit mir herumtrage, sind das die Abstriche, die man in Punkto Fotoqualität bei schlechter Beleuchtung machen muss.
      Was genau meinen Sie mit „da die Berichte sonst sehr viel kritische Bemerkungen enthalten…“?

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