Château de la chèvre d’or * * in Èze (FR)

Es ist Herbst, der erste Schnee fällt in der Schweiz und ich sitze an der Côte d’Azur bei blauem Himmel, Sonnenschein und ca. 23° Celsius. Dazu lässt sich diese traumhafte Aussicht einfach wunderbar geniessen, während einem kühlen Apéro mit dazu serviertem, eingelegtem Gemüse, Brotstangen, Artischocken- und Oliven-Dip.

Diese Aussicht gehört dem wohl am schönsten gelegenen Sterne-Restaurant zumindest in Frankreich, es heisst Château de la chèvre d’or und wird aktuell mit 2 Sternen bewertet. Entgegen dem sehr mittelalterlichen Örtchen (Eze) in dem das Hotel und Restaurant liegt, wird hier eine moderne Hochküche mit klarem Fokus aufs Meer serviert.
Die Aussicht ist auch im Restaurant hinter den Fenstern wunderschön, da kann man bloss hoffen, dass das Essen mit der Aussicht mithalten kann.

Am Mittag gibt es eine Auswahl an à la carte Gerichten (60-96€), ein Tagesmenü in 3-Gängen (89€) und ein 4-Gänge Menü (145€), meine Wahl ist das 4-Gänge Menü mit Austausch der zweiten Vorspeise.
Während man die Karte durchstöbert wird der Tisch schon einmal mit den ersten Amuses eingedeckt. Die Amuses bestehen aus einer Auster mit Limoncello-Schaum (hervorragend), rohe Makrele mit Orange und Parmesan (sehr erfrischend), eine Spezialität aus Nizza genannt Pissaladière auf Teigkissen (Olive und Sardellen), Foie Gras Praline mit Zitrone (angenehm klein und fein), Ratatouille mit Petersilien-Creme und ein Zitronenbrot mit lokalem Olivenöl dazu. Die Häppchen sind durchwegs wunderbar, mit tollen Produkten und anregenden Aromen.


Die Brotauswahl beschränkt sich auf drei verschiedene Arten, ein klassisches, traditionelles Baguette (etwas dicke Kruste), ein Fleur de Sel-Brioche (wunderbar), Olivenbrote (nicht versucht).


Bevor das Menü losgeht kommt noch eine Einstimmung in Form von Krabbe unter Joghurt-Fenchel-Schaum und eingelegter Rübe. Angenehm frisch, mit den Anis-Aromen von Fenchel und Fenchelsamen.


Alle Mitarbeiter sind hochbemüht Englisch zu sprechen und äusserst freundlich, das Restaurant ist auch sehr gut besucht. An einem Montag Mittag sitzen insgesamt ca. 18 Gäste hier. Es folgt nun das erste Gericht mit dem Namen: Peperoni, Makrele, gefüllter Tintenfisch und Bouillabaisse. Ein sehr regionales Gericht, das aus lauter Zutaten aus oder vor dem Meer besteht.


Das ausgetauschte Gericht besteht nun aus geangelter Meerbrasse mit Honig glasiert, dazu Scamorza Ravioli und Gurke. Vom Service wird dazu eine Limonensauce angegossen. Der Fisch ist ausgezeichnet, die Gurke leicht warm aber erfrischend, einzig die Scamorza Ravioli überzeugen wegen des zu dicken und gummigen Teigs nicht so.


Der Abschluss des salzigen setzt der Hauptgang mit Taube, Feige, Mangold und Pistazie an Olivensauce. Die Sauce ist eine Reduktion der Taube mit Oliven verfeinert. Die Feige ist wunderbar mit Pistazien und Orangenschalen versehen. Die Taube ist sehr fein und angenehm im Geschmack und schmeckt überhaupt nicht metallisch. Rundum ein toller Hauptgang.


Das Dessert ist ausgefallen und wird als Vision einer Lemon-Tarte mit Basilikum verfeinert präsentiert.

Als erstes soll man die aus Zucker geformte Zitronenschale auf der Gloche essen. Diese sorgt für ein Zurücksetzen der Geschmacksnerven. Sie ist süss aber hat auch eine angenehme Zitronennote und ein Hauch Basilikum ist auch auszumachen.

Danach geht es an die Zitrone, diese sollte möglichst quer der länger nach aufgeschnitten werden um alle verschiedenen Bestandteile am besten kombinieren zu können. Daneben sind 3 eiskalte Kugeln Zitronen-Sorbet auf angeflämmten Meringues.

Das Dessert ist süss, sauer, kalt, crémig, knackig und immer wieder erwischt man einen Hauch Basilikum, der hier aber wunderbar passt. Es ist ein absolut tolles Dessert, so wie ein Dessert eben sein sollte.


Zum süssen Abschluss wird noch der Petitessen Wagen angefahren. Süsse Leckereien für alle Wünsche, der Blick schweift sowieso schon fast wieder Richtung Meer ab. Dies liegt aber nicht daran, das das Essen nicht mithalten könnte, aber wieso sollte man nicht beides geniessen, wenn man schon einmal kann.

Das Essen hier ist weitaus moderner als die Lage, das Örtchen und selbst das Restaurant vermuten lässt. Es ist aber sehr fokussiert und bleibt sich und der Region auch treu. An anderen, ähnlichen Orten mit guter Aussicht bleibt das Essen meist hinter der Aussicht, oder die Aussicht wird verhindert während dem Essen, hier aber schafft man es beides in Einklang zu bringen.

Bewertung

BewertungsartBewertungBegründung
Essen:8.5Sehr gute Gerichte, regionale Zubereitungen und Zutaten gekonnt modern umgesetzt. Das Essen mag hier mit der Aussicht mithalten und beides ergänzt sich vorzüglich.
Ambiente:5Die wohl schönste Lage für ein Restaurant überhaupt, das Interieur ist klassisch schlicht und ist dezent gehalten.
Service:4Sehr angenehmer Service, ohne französische Alluren oder sonstigen Klischees, man fühlt sich ausgesprochen wohl.
Preis-Leistung:3Die Preise sind nicht gerade tief, aber die Produktqualität und Umsetzung stehen hier mit den Preisen im Einklang.

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