Taverne zum Schäfli * in Wigoltingen (CH)

Der Sommer hat auch in der Schweiz endlich begonnen und grüsst bei blauem Himmel mit ca. 30° Celsius. Was könnte man also besseres wollen, als draussen in einem besternten Restaurant in der Ostschweiz zu speisen?
Die Taverne zum Schäfli in Wigoltingen wurde erst letztes Jahr wieder eröffnet nach einer Sanierung und einem Küchenchef-Wechsel. Der Vater (Wolfgang Kuchler) hat den Kochlöffel an seinen Sohn (Christian Kuchler) übergeben. Zeit also das mittlerweile hoffentlich eingespielte Team zu besuchen.

Noch bevor man überhaupt eine Karte oder ein Menü erhält, wird der Tisch mit Apéro-Häppchen eingedeckt. Es gibt „Entenleber mit Rhabarber“ (auf dem Holzbrett), „Ceviche mit asiatischem Touch“ (schwarzes Schälchen), „gebratenes Risotto in Kräuter-Vinaigrette“ (weisses Schälchen), „Räucherstörr-Schaum mit Felchenrogen“ (kleines Glas) und einen „salzigen Churro in einem Safran-Chilli-Dip“ (weisses, hohes Schälchen). Der Churro fählt etwas ab und überzeugt leider gar nicht, er ist zu matschig (überhaupt nicht knusprig) und der Dip zu scharf und man nimmt den Geschmack kaum wahr. Das gebratene Risotto ist etwas banal, aber geschmacklich gut. Die anderen Apéros sind durchwegs toll und ein angenehmer Einstieg. Dazu gab es einen tollen, spritzigen Weisswein aus Weinfelden (gleich um die Ecke).


Das Brot war eine sehr tolle Umsetzung. Es bestand aus einer Art Silserkranz mit 4 verschiedenen Brot-Teigen (Normal, Kräuter, Tomaten, nicht genauer aufgeschrieben). Es war herrlich warm und frisch. Die Butter dazu hatte einen zu parfümierten Geschmack durch die Zugabe von Lemongrass.


Heute ist die Wahl auf à la carte gefallen, aus welcher 5 Gerichte ausgewählt wurden (bzw. Dessert wurde nach dem Hauptgang gewählt).
Als Einstieg folgte nun ein Amuse aus geschmortem Ochsenbrust-Carpaccio in gelierter Ochsenessenz mit Meerrettich-Tupfer, Radieschen und Apfel.
Ein angenehm frischer Einstieg bei dieser Wärme. Geschmacklich toll und intensiv, das einzige was nicht zur Geltung kam waren die Apfel-Stücke, die hatten schlicht keinen Geschmack (und das im Thurgau der Apfelhochburg der Schweiz!).


Es folgte der erste Gang „blauer Hummer; Sauce Homardine, Eierschwämmli“. Der Hummer war hervorragend, saftig, zart und mit angenehmen Geschmack, der natürlich durch die Sauce weiter gepusht wurde. Kleine Zitronen-Stücke fügten weitere frische-spitzen hinzu. Ein toller Auftakt und genau das richtige für heisse Sommertage.


Trotz der Wärme musste eine Suppe probiert werden, die Wahl fiel auf die „Spitzmorchel Emulsion“. Eine gute Wahl, da bereits beim Amuse die Ochsenessenz (zweite Suppe auf der Karte) kam. Die Suppe sieht überhaupt nicht spektakulär aus, wie eine x-beliebige Suppe in einem x-beliebigen Restaurant. Der Geschmack jedoch ist fantastisch, jeder Löffel ist hervorragend und wohltuend. Einziger Wunsch wären einige Morchel-Stücke oder kleine ganze Morcheln gewesen für den gewissen Biss.


Da es immer interessant ist zu sehen, wie auf diesem Niveau mit eigentlich simpeln und banalen Gerichten umgegangen wird, kommt nun „Parmesan; Kräuter Ravioli, Schmortomaten“. Wieder sieht das Gericht simpel und nicht spektakulär aus, aber die Ravioli sind nahe der Perfektion. Der Ravioli-Teig hauchdünn, die Füllung käsig-kräuterig, die milchige Sauce fein und dezent und die Schmortomaten intensiv tomatig und bringen eine schöne Säure als kontrast mit.


Vor dem Hauptgericht kommt noch eine Erfrischung in Form eines Passionsfrucht-Granité mit Sauerrahm-Schaum. Der Sauerrahm-Schaum ist wohl durch Limetten-Zugabe leicht bitter, was auch den Sauerrahm-Geschmack etwas vermindert. Sonst ist es aber eine tolle Erfrischung und entspricht mehr oder weniger dem klassischen Sorbet vor dem Hauptgericht.


Nun zum Hauptgang „Kalbskinnbäckchen; Gemüse-Charteuse, Rosmarin-Kartoffelpüree“. Die Bäckchen wunderbar zart in einer intensiven Sauce. Optisch toll angerichtet, das Gemüse schön gegart mit Biss und das Kartoffelpüree gut portioniert. Ein echtes Wohlfühl-Gericht mit wunderbarem Geschmack.


Als Dessert wurde „Birchermüsli, neu interpretiert“ gewählt. Es besteht aus einem Bananen-Sorbet, dazu diverse Mandel-/Nusskrokants, Himbeeren, Erdbeeren, Apfelstücke (leider wieder mit wenig Geschmack) und weiteren Kleinigkeiten, die ein Müsli nun mal ausmachen. Ein sehr gutes, süsses, erfrischendes Dessert, ohne Spielereien mit gewagten Kräutern oder Gemüsen, so wie ein Dessert sein sollte.


Wie üblich wurden zum Abschluss noch Friandise gereicht „Eclaire mit Grüntee-Füllung“, „Passionsfrucht-Gelee“ und „geeiste Praline mit Waldbeeren-Krokant“. Sie waren durchwegs gut bis sehr gut.


Das Essen war durchwegs gut bis sehr gut mit nur ganz wenigen Dingen, die nicht zu überzeugen vermochten. Die Wärme bekam man dann aber, ab der doch üppigen Portionen der Gerichte zu spüren. Dies ist aber keine Kritik am Essen oder am Restaurant, eher an der eigenen Esslust auf verschiedene (gerade eher intensive) Gerichte. Das Team scheint eingespielt zu sein, die Atmosphäre locker und angenehm. Das Restaurant ist sicherlich in der absoluten Spitze in der Ostschweiz.

Bewertung

BewertungsartBewertungBegründung
Essen:8Gute, geschmacksintensive Gerichte, mit klarer Linie und klassischem Einfluss
Ambiente:4Sehr schönes, uriges Restaurant, in dem man sich wohlfühlt. Auch draussen.
Service:4Service war angenehm, freundlich und nicht aufdringlich, man fühlte sich umsorgt
Preis-Leistung:3Die Preise sind im Einklang mit dem Gebotenen und der Produktqualität, die sehr hoch ist.

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