Falconera * in Öhningen (DE)

Es ist Samstag, 3 Tage ununterbrochen Regen, doch während der Hin- und Rückfahrt ist es fast schon schön, einzelne Sonnenstrahlen brechen durch und lassen das saftige Frühlingsgrün noch viel satter erscheinen. Ist das ein gutes Zeichen?
Das Falconera in Öhningen liegt gleich nach der Schweizer Grenze und ca. 5 Minuten von Stein am Rhein entfernt. Das Restaurant ist in einem sehr alten Fachwerkhaus, das früher eine Mühle war am Anfang des Dorfs und sieht sehr schön und heimelig aus. Der Garten sieht sehr einladend aus, jedoch ist bei diesem Wetter nicht an draussen sitzen zu denken (leider).
Das erste was man beim Betreten des Hauses sieht ist die Küche. Man sieht geradeaus in die Küche hinein, wo der Patron herruft: „kommt herein, ich hoffe ihr habt grossen Hunger mitgebracht!“. Nickend treten wir in den grossen, ritterartigen Speisesaal ein. Man fühlt sich wie in den Gemäuern eines Schlosses. Das Klientel dieses Nachmittags könnte alterstechnisch wohl auch eher noch in diese Zeit gehören, das stört aber nicht und es ist auch schön zu sehen, dass ein solches Restaurant an einem Samstagnachmittag sehr gut besucht ist.

Nun zum Essen, da es gerade Pfingstwochenende ist hat man die Karte in 3 Menüs aufgeteilt, von denen uns der Service versichert auch frei zusammenstellen zu können. Es gibt ein 6-Gang-Falconera Menü (98€, in 4 Gängen für 76€), ein vegetarisches Menü in 4 Gängen (64€) und ein Mittagsmenü in 3 Gängen (48€). Die Entscheidung fällt sehr schnell auf das 6-Gang-Falconera Menü, jedoch wechsle ich den Käse (Gorgonzola) gegen eine Vorspeise aus dem Mittagsmenü (Krustentiersuppe) aus.

Das Menü beginnt wie so oft mit einem Brot, hier ein Baguette in spezieller Form, dazu gab es eine gesalzene Butter und ein Bärlauchpesto. Das Baguette war gut, aber bei weitem nicht überragend und die Form schien ihre Tücken zu haben bei der Verarbeitung. Während dem Essen gab es noch ein aufgeschnittenes Baguette, wahrscheinlich auch Ruchmehl.


Als Gruss aus der Küche kam ein Stück Thunfisch auf Risoni-Pasta an einer Bärlauchsauce mit Erbsen. Geschmacklich sehr gut, rustikal, mediterran, aber auch etwas schwer.


Der erste Gang war nun:
„Gegrillte Black Tiger Garnele und gebratene Jakobsmuschel
auf feinen Tranchen vom Oktopus Carpaccio mit Peperoncini Vinaigrette
dazu mediterraner Cous Cous mit Orangenblüten und wilden Brokkoli
sowie eine pikant abgeschmeckte Knoblauch Aioli“

Die Garnele war mir etwas zu gar, die Jakobsmuschel dafür perfekt. Das Couscous war sehr gut, der Rest kam nicht allzu sehr zur Geltung. Geschmacklich guter Gang, aber inhaltlich überladen.


Es ging weiter mit:
„Fein geschnittene Kalbsleber mit gereifter Aceto Balsamico Jus
auf venezianischer Polenta dazu glasierte Apfelspalten
und in Moscato eingelegte Korinthen“

Ein Wohlfühl-Gericht! Simpel und einfach, dafür geschmacklich hervorragend. Hier waren es auch weitaus weniger Komponenten und es brauchte auch nicht mehr.


Nun wurde mein Sonderwunsch eingeschoben, hier fehlt mir die genaue Bezeichnung, aber aus der Erinnerung:
„Krustentiersuppe mit Rotbarbe, Garnelen, Muscheln
dazu Brin d’amour auf geröstetem Brot und ein Gemüsetürmchen aus Peperoni und Zucchini“

Die Krustentiersuppe war hervorragend, die Muscheln auch und von guter Qualität, die Rotbarbe und die Garnelen etwas zu gar für meinen Geschmack. Das Peperoni-Zucchini-Türmchen fand ich überflüssig, da es weder Saison dafür ist noch die Produkte geschmacklich viel beitrugen. Das geröstete Brot mit dem brin d’amour drauf war gut.


Nach dem kurzen Intermezzo, ging’s wieder zurück zum Menü und:
„Mit Limonenblättern kross gebratenes Zanderfilet
auf zweierlei Spargelgemüse und kandierten Datterino Tomaten
dazu Spitzmorchel Tortellini in Estragon Butter geschwenkt
und ein aromatischer Bärlauch Schaum“

Hier war die Garstufe des Fisches besser getroffen als bislang, das Spargelgemüse hatte Biss, die Tortellini waren sehr lecker und alles in allem war dieser Gang geschmacklich sehr gut. Wobei auch hier wieder zu viele Komponenten sich gegeneinander fast schon aufhoben.


Das Tempo hat nun etwas angezogen, nach ganz kurzer Pause folgte gleich der Hauptgang:
„Rosa gebratene Entenbrust mit Melange Noir Pfeffer gratiniert
auf Gartenbohnen mit Bergbohnenkraut verfeinert sowie ein
leicht geräuchertes Kartoffelpüree mit im Speckmantel sautierten
Dörrpflaumen in Akaziensamen Geflügelrahmsauce“

Dieses Gericht war geschmacklich wieder sehr lecker, jedoch auch sehr schwer durch die Dörrpflaumen im Speckmantel und das geräucherte Kartoffelpüree.


Als Dessert kam dann zum Abschluss noch:
„Komposition von Erdbeeren und Rhabarber
Karamellisierte Crème Brûlée auf Cantuccini Keks
dazu ein Latte Macchiato von Rhabarber und Vanille Buttermilch
sowie ein cremiges Erdbeereis auf Rhabarber Minz Kompott“

Ein klassisch, süsses Dessert passend zum Frühling. Schade war, dass die Rhabarber teilweise etwas gar zäh war, hier wäre eine gekochte Zubereitung besser gewesen.


Zum Tee gab es noch frittierte Teigkugeln mit Zucker.

Dies passte zum gesamten Menü, das eher schwer und von rustikalen Geschmackseindrücken geprägt war. Das heisst nicht, dass es schlecht wäre, aber es fehlte etwas die Frische und Auflockerung. Das Essen ist sehr mediterran geprägt und ist auf gutem Niveau. Wer etwas Überraschendes bevorzugt, ist wohl in Schlattingen (dreizehn sinne), ein paar Kilometer entfernt, besser aufgehoben. Für diesen verregneten Samstag waren diese rustikalen, schweren Gerichte jedoch ganz passend.

Bewertung

BewertungsartBewertungBegründung
Essen:6.5Gute, mediterrane Gerichte, die etwas schwer sind.
Ambiente:4Sehr schönes, uriges Restaurant, in dem man sich wohlfühlt.
Service:3Service war angenehm, freundlich und nicht aufdringlich
Preis-Leistung:3Die Preise sind angenehm (auch die Weinkarte), die Produkte sind jedoch nicht immer von höchster Qualität.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.