Pollen Street Social * in London (UK)

Hier nun also der letzte Sterne-Restaurant-Besuch im Jahr 2015. Unkompliziert wurde ein Platz am Mittag reserviert im schönen Pollen Street Social in einer Seitengasse der bekannten Regent Street (führt zum Piccadilly Circus). Das Restaurant ist sehr schön und hat eine klare Linie.

Auch das Essen hier ist toll und selbst am Mittag (vor Silvester) erhält man die ganze Abfolge (Amuse Bouches, Einstimmung, Pré-Dessert, Friandises) zum einfachen Lunch-Menü oder selbst zu einem einzelnen à la carte Gericht. Das nenne ich konsequent und bewundernswert.
Nun aber zu den Speisen, die mit den Amuse Bouches begannen, während man durch die Karten stöberte, im einzelnen waren dies ein Brötchen mit Lachs und Meerrettich (simpel und lecker), ein Gurken-Dill-Schaum auf einem Madeleine (süsslich, frisch, speziell aber anregend) und eine Randen-Créme in einem Teigtellerchen (tolles und intensives Randenaroma, die Brombeere passte erstaunlich gut dazu):


Die Wahl der Speisen war getroffen und es folgte sogleich das Brot mit aufgeschlagener Butter. Die beiden Brote (ein helles Parisette-Artiges und ein dunkles Bauernbrot) waren toll. Schön warm mit einer herrlichen Kruste.


Es folgte noch eine Einstimmung in Form einer Pilzsuppe mit Parmesanschaum. Geschmacklich grandios, aber hätte heisser sein können.


Die Vorspeise wurde serviert als „Colchester brown crab and fresh water crayfish risotto, bergamot“. Ein perfekt zubereitetes Risotto mit schönem Biss und dazu herrlich süffiges Krebsfleisch in top Qualität. Als kleiner Säureausgleich diente ein Hauch von Bergamotte. Ein grandioser Auftakt!


Als Hauptspeisen kamen dann „Roasted cornish cod, cauliflower and yeast, cockle chowder“ und ein Kalbstatar. Beide Gerichte sind toll produktfokusiert, aromatisch, süffig und harmonisch. Die Hefe ist hier nicht zu dominant und bringt etwas Säure dem Blumenkohl entgegen. Der Fisch ist perfekt gegart und das Kalbstatar über jeden Zweifel erhaben bezüglich Qualität.


Mit einem Kürbisgranité unter einem Joghurt-Schaum gelangt ein toller Übergang und Auffrischung an den Tisch. Der Joghurt-Schaum mit dem Kürbiskernöl und den Kürbiskernen ist genial. Das Kürbisgranité erfrischt weiter. Ein geniales Pré-Dessert, das sehr simpel und eingänglich daherkommt.


Vor dem Dessert wird noch ein Drink eingeschoben (auch hier gibt es eine tolle Bar) mit dem Namen „Nutcracker“:


Gefolgt wird der Alkohol vom Dessert mit der Bezeichnung „Dark chocolate marquise, praline, milk mousse and honey ice cream“. Als Schweizer würde man es wohl „Mohrenkopf neu interpretiert“ nennen. Denn Geschmacklich und sogar optisch ist es genau das. Es ist ein tolles aber ziemlich schweres und füllendes Dessert (sehr viel Schokolade) und es fehlt etwas die Säure als Gegenspiel. Das Honigeis ist toll, aber hier wäre wohl ein Passionsfrucht-Sorbet oder Ingwereis besser gewesen um dem mächtigen Schokokuss etwas Einhalt zu bieten.


Zur Überraschung werden als Abschluss noch Friandises aufgetischt. Ein Mandeltörtchen mit Kirschenkompott (toll, halt nicht ganz so grandios wie der Tipsy Cake), Mandarinen-Gelees und Ganache mit Bergamotte.


Ich war vorher etwas skeptisch, was mich hier erwartet. Das Restaurant ist zweifelsohne sehr schön, das Ambiente stimmig und man kann es sich sehr gemütlich machen. Das Essen hat mich zugegebenermassen sehr überrascht und dies im Positiven. Es war absolut grossartig und geschmacklich hervorragend. Der Michelin-Stern ist ganz klar verdient und das Restaurant ein toller Abschluss eines kulinarischen Jahres.

Bewertung

BewertungsartBewertungBegründung
Essen:8Hervorragende Gerichte, mit toller Qualität und wunderbarem Geschmack
Ambiente:4Schönes Restaurant mit toller Atmosphäre und schöner Einrichtung
Service:4Service war sehr angenehm, freundlich, hilfreich, aufmerksam, nicht aufdringlich
Preis-Leistung:4Der Preis ist für Londoner Verhältnisse recht hoch (bei bloss einem Stern), jedoch überzeugt die Qualität

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