dreizehn sinne im huuswurz * in Schlattingen (CH)

Spontan war die Entscheidung das Restaurant dreizehn sinne im huuswurz in Schlattingen (TG) zu besuchen. Einen Tag vorher telefonisch reserviert und am nächsten Abend bereits das Essen. Und was an diesem Abend folgt, ist mein bisher bestes und umfänglichstes Esserlebnis.
Aber beginnen wir einmal mit den Einzelheiten, die sich hier wie ein Rezept zusammensetzen: man nehme ein junges Gastronomie-Ehepaar, setze diese in ein Einfamilienwohnhaus mit wunderschönem Garten, ergänzt dies mit einer sehr kleinen Küche und zwei hochmotivierten, jungen Köchen, schmeckt alles mit viel Herzblut, Kreativität und Persönlichkeit ab. Was man dann erhält, ist ein unerwartetes, fantastisches und deliziöses Erlebnis, das bestimmt alle mir bekannten Sinne mehr als nur glücklich macht (ich komme immer noch nicht auf dreizehn Sinne).

Im dreizehn sinne gibt es keine Karte, auch kein vorher bekanntes Menü, man gibt lediglich bei der Reservation bekannt, worauf man allergisch ist und was man so gar nicht mag. So beginnt das Menü, dann mit dem Sinnesturm (möchte man sich gleich in grösserer Form ins Wohnzimmer stellen).

Der Sinnesturm

Ein Schachtelturm mit 7 Etagen (7 Gänge), jeder dieser Schachteln enthält einen Hinweis (kann auch ein Amuse-Bouche sein, also essbar) zum jeweiligen Gang. Dieser Sinnesturm regt zum Entdecken, Ausprobieren und zum Diskutieren an… was war das nun für ein Fisch in diesem Amuse-Bouche? In diesem Gang ist etwas süsslich, saures wie Rhabarber? Ist dieses Origami eine Taube? Oder doch eine Gans, vielleicht bedeutet es auch eine Ente?

Brot

Das Brot als solches war nichts spezielles aber ein sehr gutes Bauernbrot und ein ebenso gutes Sauerteigbrot. Das Highlight war dann die Nussbutter (gebräunte Butter, leicht gesalzen) und ein Kräuterquark mit den frischen Kräutern vom Garten.

Carabiniero/Tomaten

Nach dem Sinnesturm wusste man, dass der erste Gang etwas mit einem Carabiniero zu tun haben wird. Die herlich frischen und süssen Tomaten mit wunderbaren schwarzen Oliven und dazu ein perfekt gegarter, noch warmer Carabiniero von höchster Qualität. Ein Auftakt nach Mass, dabei ist dieses Gericht zum ersten Mal serviert worden.

Saibling/Brot/Eigelb

Nun kam der ominöse Fisch, welcher ein Saibling war. Dazu erfrischende Gurke, cremiges Eigelb und eine grossartige Kräutersauce (wieder aus dem Garten). Der Fisch perfekt und vor allem nur leicht gegart auf der Brotseite. Es geht auf gleichem Niveau weiter wie zuvor.

Langostino/Miso/Pilze

Der Langostino versteckt sich unter einer feinen und intensiven „Shitake-Haut“. Dazu sehr viele Umami-haltige Zugaben, wie fermentierter Champignons, ein Praliné aus Pilz-Crème mit Zwiebelpulver und Blumenkohl in zwei Varianten. Dieser sehr starker Umami-Gang ist ein weiterer Kontrast zu den ersten beiden Gängen und steht diesen geschmacklich wie auch in der Produktqualität in nichts nach.

Foie Gras/Cidre/Hefe

Eine Foie Gras von grandioser Qualität und wunderbar zartem Schmelz, dazu eine Hefe-Crème… ja richtig Hefe, klingt speziell, ist aber sehr passend mit den Granny-Smith Stücken und den säuerlich, süssen Cidre-Gelees. Dazu noch ein herlich butteriges Brioche:

Wir stehen kurz vor dem Hauptgang und haben noch keinen Gang erlebt, der nicht fantastisch war.

Maispoularde/Mais/Popcornravioli/Avocado

Eine Maispoularden-Brust, die ich bisher erst einmal in solch herlicher Qualität und auch Zubereitungsart erleben durfte (Dinner by Heston), auch hier wieder eine wunderbar zarte, saftige Brust. Beeindruckend dazu sind die Cornets mit den geschmorten Schenkeln und Guacamole einfach zum Geniessen und die Zeit vergessen…

Ziegenkäse/Lardo/Sauerkirsche

Auch beim Käsegang bleibt das Niveau immer noch ungebrochen enorm hoch. Ein toller, crèmiger Ziegenfrischkäse mit verschiedenen Hüllen. Einmal salzig, rauchig mit Lardo, dann knusprig im Filo-Teig und sauer, süss mit einem Sauerkirschen-Gelee-Mantel, das grüne ist ein toller Topfen-Knödel und in der Mitte eine süffige Orangen-Kräuter-Sauce.

Yuzu/Grapefruit/Sake

Jetzt aber, das Dessert kann mir ja schon nicht schmecken, denn ich bin absolut kein Fan von Grapefruits und deren Bitterkeit. Tja, wer so denkt sollte hier nicht essen gehen. So war es kein Wunder, dass auch das Dessert einfach nur wunderbar war, sauer, erfrischend, süss und überhaupt nicht bitter. Okay ein bisschen Bitterkeit war dabei, aber in Form des Campari-Schaums auf dem Grapefruit-Halbgefrohrenen dazu.

Aber hier passte die Bitterkeit hervorragend und das Grapefruit-Halbgefrohrene war leicht, fruchtig, säuerlich, süss und einfach nur toll.

Praliné/Friandise

Ein wunderbarer, glückshormongeladener Abschluss um das Thema Kakaobohne. Toll, wunderbar, genial, dabei war man nach den vorhergehenden Gängen bereits nur so geladen vor Glückshormonen.
Waren dies 1 Michelin-Stern oder 15 Gault-Millau Punkte? Meiner Meinung nach: NEIN!
Meiner Meinung nach verdient das Ehepaar Speinle mit ihrem tollem Team mehr, viel mehr. Ich kann es kaum erwarten, das nächste Mal (wahrscheinlich im Herbst) den Sinnesturm wieder zu erkunden und die darauf folgenden Gänge zu geniessen. Dazu sind die Gastgeber wunderbar, man kann mit ihnen auch einige Worte tauschen, über Erfahrungen und Eindrücke sprechen und das ganze ist viel direkter und persönlicher, als je erlebt. Ich kann nur jedem empfehlen, diese Eindrücke und das Esserlebnis im dreizehn sinne selbst zu erkunden.

Bewertung

BewertungsartBewertungBegründung
Essen:9Unbeschreiblich, auch noch zwei Tage danach ist jedes einzelne Gericht present, könnte sich auch zu einer 10 entwickeln und ist kaum in Worte zu fassen
Ambiente:4Ein Einfamilienhaus mit wunderschönem Garten. Simpel, schön passend und persönlich.
Service:4Wunderbar persönlicher Service, hier fühlt man sich wohl
Preis-Leistung:4Das Gesamterlebnis, die Produktqualität und auch die tollen Weinpreise sprechen hier eine deutliche Sprache.

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